Investieren mit Strategie statt Gefühl.

Der Notgroschen: Wie viel Geld solltest du zurücklegen, bevor du investierst?

Bevor du das erste Mal Geld in ETFs oder Aktien investierst, taucht bei den meisten Frauen früher oder später dieselbe Frage auf: Wie viel Geld sollte eigentlich schon auf der Seite liegen, bevor ich überhaupt anfange?

Die Antwort heißt meistens: dein Notgroschen. Also das Geld, das du nicht anlegst, sondern als Puffer für unerwartete Ausgaben zurücklegst – eine kaputte Waschmaschine, eine plötzliche Autoreparatur oder ein paar Monate mit weniger Einkommen.

In diesem Beitrag erfährst du, wie viel Geld als Notgroschen sinnvoll ist, wo du ihn am besten aufbewahrst und wie du gleichzeitig mit dem Investieren starten kannst, ohne dein finanzielles Polster zu vernachlässigen.

Was ist ein Notgroschen – und wofür brauchst du ihn?

Ein Notgroschen ist eine Geldreserve für unvorhergesehene Ausgaben. Er ist bewusst getrennt von deinem Investment-Depot und deinem laufenden Girokonto.

Stell dir deinen Notgroschen wie einen Regenschirm vor, den du dir schon an einem sonnigen Tag bereitlegst. Du hoffst, ihn nie zu brauchen – aber wenn es plötzlich regnet, bist du froh, dass er da ist.

Typische Situationen, für die ein Notgroschen gedacht ist:

  • eine defekte Waschmaschine oder ein kaputtes Auto
  • ungeplante Zahnarzt- oder Handwerkerkosten
  • ein plötzlicher Jobverlust oder Einkommensausfall
  • eine kurzfristige Reise, zum Beispiel wegen eines familiären Notfalls

Ohne diesen Puffer landen solche Ausgaben schnell auf der Kreditkarte – oder du musst mitten in einer Marktschwäche Wertpapiere verkaufen, um Geld freizusetzen. Genau das möchtest du vermeiden.

Warum ist ein Notgroschen wichtig, bevor du investierst?

Der Notgroschen ist deshalb wichtig, weil er dich davor schützt, in einem ungünstigen Moment an dein Depot zu müssen.

Angenommen, du hast dein gesamtes Geld investiert und dein Auto gibt unerwartet den Geist auf. Wenn die Börsenkurse gerade im Minus stehen, müsstest du deine ETFs oder Aktien möglicherweise mit Verlust verkaufen, nur um an Bargeld zu kommen.

Das bedeutet konkret für dich: Ein Notgroschen gibt dir die Ruhe, dein Depot auch in turbulenten Marktphasen einfach liegen zu lassen. Du investierst planbarer, weil du weißt, dass dein Alltag durch eine unerwartete Ausgabe nicht ins Wanken gerät.

Er nimmt dir außerdem einen großen Teil der Verlustangst, die viele Frauen beim ersten Investieren spüren. Du weißt: Selbst wenn an der Börse mal etwas schiefläuft, ist dein Alltag abgesichert.

Wie viel Geld solltest du als Notgroschen zurücklegen?

Eine pauschale Zahl, die für jede Frau passt, gibt es nicht. Als Orientierung hat sich in der Finanzplanung aber eine Faustregel bewährt.

Faustregel: 3 bis 6 Netto-Monatsausgaben

Die meisten Finanzexpertinnen empfehlen, drei bis sechs Netto-Monatsausgaben als Notgroschen zurückzulegen. Gemeint sind damit deine tatsächlichen monatlichen Ausgaben – Miete, Lebensmittel, Versicherungen, laufende Kosten – nicht dein Gehalt.

Ein Beispiel: Wenn du im Monat rund 1.800 Euro zum Leben brauchst, liegt dein Notgroschen je nach persönlicher Situation zwischen etwa 5.400 und 10.800 Euro.

Das klingt für den Anfang nach viel. Wichtig zu wissen: Du musst diesen Betrag nicht auf einen Schlag ansparen. Ein wachsender Notgroschen ist besser als gar keiner.

Was deinen persönlichen Betrag beeinflusst

Wie hoch dein individueller Notgroschen ausfallen sollte, hängt von deiner Lebenssituation ab. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Job-Sicherheit: Bei einem unbefristeten Angestelltenverhältnis reicht oft die untere Spanne, bei selbstständiger Tätigkeit oder befristeten Verträgen eher die obere.
  • Familiensituation: Alleinerziehende oder Alleinverdienerinnen kalkulieren häufig etwas großzügiger als Haushalte mit zwei Einkommen.
  • Fixkosten: Je höher deine monatlichen Fixkosten, desto größer sollte dein Puffer sein.
  • Absicherung durch Versicherungen: Eine gute Berufsunfähigkeits- oder Hausratversicherung kann den nötigen Notgroschen etwas reduzieren.

Es lohnt sich, kurz innezuhalten und ehrlich auf die eigene Situation zu schauen, statt einfach eine fremde Zahl zu übernehmen.

Wo bewahrst du deinen Notgroschen am besten auf?

Dein Notgroschen sollte jederzeit verfügbar sein – idealerweise innerhalb weniger Tage, ohne Kursrisiko und ohne Verzögerung. Deshalb gehört er nicht in Aktien, ETFs oder Kryptowährungen, sondern auf ein separates Konto.

Gut geeignet sind zum Beispiel:

  • ein Tagesgeldkonto bei einer Bank mit Einlagensicherung
  • ein separates Rücklagenkonto, getrennt vom Girokonto, damit du im Alltag nicht versehentlich darauf zugreifst

Verzichte bewusst auf Aktien oder ETFs für deinen Notgroschen. Die Idee eines Notgroschens ist Sicherheit, nicht Rendite. Für Wachstum ist später dein Investment-Depot da.

Notgroschen zuerst oder gleichzeitig investieren?

Eine häufige Frage lautet: Muss der Notgroschen komplett fertig sein, bevor ich überhaupt mit dem Investieren beginne?

Nicht unbedingt. Viele Frauen bauen beides parallel auf – zum Beispiel, indem sie zunächst einen kleinen Basis-Notgroschen von ein bis zwei Monatsausgaben ansparen und danach gleichzeitig weiter an ihrer Reserve arbeiten und erste kleine Beträge investieren.

Das bedeutet konkret für dich: Es gibt keine Pflicht, mit dem Investieren zu warten, bis der Notgroschen zu 100 % voll ist. Wichtig ist nur, dass du für die dringendsten Notfälle bereits ein finanzielles Polster hast, bevor größere Summen ins Depot fließen.

Wer stärker schwankende Anlagen wie Einzelaktien oder Kryptowährungen nutzen möchte, sollte beim Notgroschen eher konsequent sein, da diese Anlagen kurzfristig deutlicher schwanken können als ein breit gestreuter ETF.

Typische Fehler beim Aufbau des Notgroschens

Gerade am Anfang schleichen sich hier häufig ähnliche Fehler ein:

  • gar keinen Notgroschen anlegen und direkt das gesamte Ersparte investieren
  • den Notgroschen auf dem Girokonto lassen, wo er sich mit den laufenden Ausgaben vermischt
  • den Notgroschen selbst in Aktien oder Kryptowährungen investieren, um „mehr daraus zu machen“
  • sich von einer hohen Zielsumme entmutigen lassen und deshalb gar nicht erst anfangen
  • den Notgroschen nach dem Aufbau nie wieder anpassen, obwohl sich Ausgaben oder Lebenssituation verändert haben

Wenn dir einer dieser Punkte bekannt vorkommt: Das geht vielen Frauen am Anfang so. Entscheidend ist, dass du jetzt einen klaren nächsten Schritt gehst.

So baust du deinen Notgroschen Schritt für Schritt auf

Ein solider Notgroschen entsteht nicht über Nacht – aber mit einer klaren Vorgehensweise kommst du zuverlässig ans Ziel.

  • Schritt 1 – Ausgaben ermitteln: Schau dir deine monatlichen Fixkosten und Lebenshaltungskosten der letzten Monate an.
  • Schritt 2 – Zielsumme festlegen: Multipliziere deine Monatsausgaben mit drei bis sechs, je nach persönlicher Situation.
  • Schritt 3 – Konto einrichten: Eröffne ein separates Tagesgeldkonto, getrennt von deinem Girokonto.
  • Schritt 4 – Automatisch sparen: Richte einen Dauerauftrag ein, der jeden Monat automatisch einen festen Betrag überweist.
  • Schritt 5 – Regelmäßig prüfen: Passe deinen Notgroschen an, wenn sich deine Ausgaben oder deine Lebenssituation ändern.

Schon kleine, regelmäßige Beträge summieren sich mit der Zeit spürbar. Wichtiger als die perfekte Summe ist, dass du überhaupt anfängst.

Notgroschen als Fundament für entspanntes Investieren

Ein Notgroschen ist kein Umweg auf dem Weg zum Investieren, sondern die Grundlage dafür, langfristig entspannt investiert zu bleiben. Er sorgt dafür, dass unerwartete Ausgaben dich nicht aus der Bahn werfen und du dein Depot auch in schwankenden Marktphasen einfach liegen lassen kannst.

Wenn dein Notgroschen steht oder gerade wächst, ist das ein guter Moment, dich mit den nächsten Schritten beim Investieren zu beschäftigen. In unserem kostenlosen E-Book „Dein Start mit ETFs und Aktien“ zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du dein Geld sinnvoll investierst, sobald dein finanzielles Polster steht.

FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Notgroschen

Als Faustregel gelten drei bis sechs Netto-Monatsausgaben. Wie viel für dich persönlich sinnvoll ist, hängt von deiner Job-Sicherheit, deiner Familiensituation und deinen Fixkosten ab.

Nicht zwingend. Viele Frauen bauen zuerst einen kleinen Basis-Notgroschen auf und sparen danach parallel weiter, während sie bereits erste kleine Beträge investieren.

Am besten auf einem separaten Tagesgeld- oder Rücklagenkonto, getrennt von Girokonto und Investment-Depot. Wichtig ist, dass du jederzeit ohne Kursrisiko darauf zugreifen kannst.

Nein. Der Notgroschen dient der Sicherheit, nicht der Rendite. Für den Vermögensaufbau ist dein separates Investment-Depot mit ETFs oder Aktien gedacht.

Auch kleine, regelmäßige Beträge summieren sich mit der Zeit. Wichtiger als die perfekte Summe ist, dass du überhaupt anfängst und deinen Notgroschen Schritt für Schritt aufbaust.

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